Die Bedeutung des Eierlesets


Der Eierleset, ein uralter Frühlingsbrauch, versinnbildlicht das Erwachen der Natur, den Sieg des lebensfreudigen Frühlings über den nunmehr schon müden Winter. Das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit steht im Mittelpunkt des Anlasses.

Da der Uebergang vom Winter zum Frühling aber trotzdem nicht ohne Kampf abgeht, nehmen am Eierleset auch zwei Parteien teil: Die Grünen und die Dürren. Die Dürren versinnbildlichen den Winter, die Grünen den Frühling.

Zu den dürren Figuren gehören der Straumuni, der mit leergedroschenem Stroh vollgestopfte Erdklotz; der Hobelspänler, aus dürrem Holz; der Schnäggehüsler aus leeren Häuschen, in denen keine lebenden Schnecken mehr wohnen; der Alte und die Alti, die zuweilen einen lebensmüden Eindruck machen. Dass sie jedoch lebhaft in den Kampf eingreifen, ist nur als ein letztes Auflehnen gegen die fortschreitende Zeit zu betrachten.

Zu den Grünen gehören der Tannästler, der immergrüne Wald; der Stechpälmler, der Strauch, den auch der Winter nicht besiegen kann; der Jasschärtler, die Verkörperung der ewigen Spielfreude des Menschen, vielleicht auch gedacht als Trumpfbuur, der alle sticht; der junge Herr und das junge Fräulein als verliebtes Hochsetspäärli; der lebenssprühende Hüehnermaa, der die jungen eierlegenden Hennen anbietet; der Polizischt, die ordnende Macht, die den Kampf zwischen den Naturgewalten zu schlichten versucht. Dazu gehört auch der Pfaarer, der Vertreter der Moral, der in der Eierpredig die Dorfmissetaten rügt, aber auch Wohltaten lobt.

Das Treichelgeläute und das Geheul der Maskierten gehört zum Lärm, mit dem man die bösen Wintergeister vertreiben will. Der Kampf mit dem Straumuni ist noch der letzte Rest der Kampfszene beider Parteien, also sollten die Dürren dem Muni helfen, die grünen Figuren, die die Dürren besiegen wollen, zurückzuhalten.

Die edlere Stufe des Kampfes ist der Wettstreit zwischen dem Läufer und dem Riiter, wobei der Eierleser den Frühling und der Reiter den Winter verkörpert. Der Reiter wird den Kampf, wenn oft auch sehr knapp, verlieren, weil er der jungen aufblühenden Kraft des Frühlings-(Eierläufer) nicht mehr ganz gewachsen ist.

Den Eiertätsch müssen die Teilnehmer am Schluss aufessen, damit die segenspendenden Kräfte der Eier in sie übergeht. Während des Kampfes schlägt die Alte Eier in die Pfanne und bestreicht, da sie selbst unfruchtbar ist, besonders die jungen Mädchen oder boshafterweise die alten Jungfern (was heute der schönen Kleider wegen unterlassen wird, doch die Alte kann es andeutungsweise tun, die Mädchen laufen ja ohnehin davon).