Effingen - Dienstag, 1. April 2008 00:56
Die
Freude über den Lenz und das Erwachen der Natur offenbart sich am
reinsten in der Zeit um Ostern. Seit jeher hat das Osterei dadurch
Anlass zu fröhlichen Spielereien gegeben. Wie in anderen Gemeinden des
Fricktals und Baselbietes hat man auch in Effingen den Brauch des
„Eierlaufens“ und des „Eierwerfens“ zu bewahren vermocht und wird alle
zwei Jahre durchgeführt. Dass das Effinger „Eierläse“ etwas Besonderes
ist, bewies die Anwesenheit vom Fernsehen SWR, welches in einem Jahr
über das Osterbrauchtum in Europa auch über dasjenige von Effingen
berichten wird.
Der Wettkampf
Die
Akteure des Wettstreites sind die Grünen und die Dürren. Zur Gruppe der
Grünen gehören der Läufer, s’Hochsetspäärli, Hüehnermaa, Jasschärtler,
Tannäschtler, Stechpälmler, Pfarrer und Polizischt. Zur Gilde der
Dürren zählen sich der Reiter, Straumuni, Hobelschpänler,
Schnäggehüsler, Alter und Alti.
Ob aber der Frühling
oder der Winter obsiegt wird in einem Wettlauf zwischen Läufer und
Reiter ausgetragen. Der eine muss nach überliefertem Ritual auf einer
Strecke von 80 Metern 162 Eier zusammenlesen und in eine Wanne werfen,
während der andere eine bestimmte Strecke zurückreitet. Dass der
Reiter, er verkörpert den Winter, meist den Kampf verliert und so dem
Frühling Platz machen muss, ist für die Zuschauer fast eine
Selbstverständlichkeit und im Drehbuch ein ungeschriebenes Gesetz.
Währenddem der Läufer eine grosse sportliche Leistung
vollbringt attackieren sich neben der Eierbahn in ihren prächtigen
Masken und Kleidern die Winter- und Frühlingsdämonen zum Vergnügen der
Zuschauer aufs heftigste.
Hochwohllöbliche Herren in schwarzer
Kleidung, mit Zylinder und eine dicke Zigarre rauchend (wohl noch die
Letzten der Dynastie Wuhrmann) schauen, dass der „Streit“ nicht
ausartet und helfen den Unterlegenen wieder auf die Beine oder flicken
gar ihre Kleider. Unbeeindruckt vom Geschehen schreitet der Pfarrer
stetig die Strecke auf und ab und sinniert vermutlich über seine
anstehende Predigt.
Obwohl noch lange nicht feststand,
wer denn zum Sieger erkoren wird, verspürten auch die Dürren den
Frühling, wie in nicht ganz jugendfreien Szenen beobachtet werden
konnte. Wild sind die wilden Gestalten natürlich vor allem auf die
Braut, um welche nicht mit den zartesten Methoden geworben wird. Aber
auch den Zuschauern bringen die Dämonen das Fürchten bei, besonders
wenn der „Stechpälmler“ durch die dicht zusammenstehende Menge rennt
oder der „Schnäggehüsler“ sich mit einer „Söiblootere“ den nötigen
Respekt verschafft. Grosser Beliebtheit erfreute sich hingegen der
„Hüehnermaa“ durch das verteilen von Eiern wie auch der „Jasschärtler“
mit seinen akrobatischen Vorführungen.
Unter
dem wilden Getue musste die Lockenpracht des „Hobelspänlers“ am meisten
leiden, am Schluss lag sie mehrheitlich auf der Strasse. Aber auch das
Brautkleid überlebte das Spektakel nicht unbeschadet, wen wundert’s,
das Décolleté war total zerrissen und die moralischen Hochwohllöblichen
waren vergeblich bemüht, der Braut keine Blösse zu geben.
Die Eierpredigt
Heftig
und deftig dann die Eierpredigt, welche vom Pfarrer, alias Andreas
Bossart gehalten wurde. Von der hohen Kanzel kanzelte er lautstark ohne
Mikrofon auf das Volk hinunter und hielt ihm in Prosaform, fast eine
Stunde lang, seine Sünden vor. Gar manches wusste er amüsant zu
erzählen über die Geschehnisse der letzten zwei Jahre. Gekonnt
verknüpfte er globale Themen mit Dorfgeschichten und rief bei den
Einheimischen gar manches wieder in Erinnerung, von denen die
Betroffenen vermutlich gehofft hatten, dass es längst vergessen war.
Aber wie sagte doch der Pfarrer eingangs seiner Predigt: „Für die wo
drin vorchöme, nähmeds ned z’schwer, wenn me i der Eierpredigt chunt,
so eschs en Ehr.“ Wenn dem dann wirklich so ist, so wurde der
Gemeinderat in der Predigt sehr geehrt, desgleichen auch die Bözener.
Die Geschichten wurden so ausführlich geschildert, dass sie selbst für
Auswärtige unterhaltend waren. Nach der Predigt dislozierte die
Gemeinschaft in die Turnhalle zum obligaten und abschliessenden
„Eiertätsch“.
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