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2. Jahrgang · Mittwoch, 2. April 2008; 17:22:02 Uhr
Kultur
Effingen - Dienstag, 1. April 2008 00:56

Der Frühling hat gesiegt – nun kann er kommen!

Von: Hans Berger

Allerdings steht nicht ganz zweifelsfrei fest, ob es beim Wettlauf in Effingen zwischen dem Winter und dem Frühling mit rechten Dingen zuging und der Sieg des Frühlings nicht ein wenig manipuliert war. Nun es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob der Winter den Erfolg seines Kontrahenten akzeptiert oder auf seinen Sieg pochend, noch trotzig seine Macht demonstriert.

Der friedliche Einzug

Die Freude über den Lenz und das Erwachen der Natur offenbart sich am reinsten in der Zeit um Ostern. Seit jeher hat das Osterei dadurch Anlass zu fröhlichen Spielereien gegeben. Wie in anderen Gemeinden des Fricktals und Baselbietes hat man auch in Effingen den Brauch des „Eierlaufens“ und des „Eierwerfens“ zu bewahren vermocht und wird alle zwei Jahre durchgeführt. Dass das Effinger „Eierläse“ etwas Besonderes ist, bewies die Anwesenheit vom Fernsehen SWR, welches in einem Jahr über das Osterbrauchtum in Europa auch über dasjenige von Effingen berichten wird.    

Der Wettkampf
Die Akteure des Wettstreites sind die Grünen und die Dürren. Zur Gruppe der Grünen gehören der Läufer, s’Hochsetspäärli, Hüehnermaa, Jasschärtler, Tannäschtler, Stechpälmler, Pfarrer und Polizischt. Zur Gilde der Dürren zählen sich der Reiter, Straumuni, Hobelschpänler, Schnäggehüsler, Alter und Alti.  

Ob aber der Frühling oder der Winter obsiegt wird in einem Wettlauf zwischen Läufer und Reiter ausgetragen. Der eine muss nach überliefertem Ritual auf einer Strecke von 80 Metern 162 Eier zusammenlesen und in eine Wanne werfen, während der andere eine bestimmte Strecke zurückreitet. Dass der Reiter, er verkörpert den Winter, meist den Kampf verliert und so dem Frühling Platz machen muss, ist für die Zuschauer fast eine Selbstverständlichkeit und im Drehbuch ein ungeschriebenes Gesetz.  

Währenddem der Läufer eine grosse sportliche Leistung vollbringt attackieren sich neben der Eierbahn in ihren prächtigen Masken und Kleidern die Winter- und Frühlingsdämonen zum Vergnügen der Zuschauer aufs heftigste.

Hochwohllöbliche Herren in schwarzer Kleidung, mit Zylinder und eine dicke Zigarre rauchend (wohl noch die Letzten der Dynastie Wuhrmann) schauen, dass der „Streit“ nicht ausartet und helfen den Unterlegenen wieder auf die Beine oder flicken gar ihre Kleider. Unbeeindruckt vom Geschehen schreitet der Pfarrer stetig die Strecke auf und ab und sinniert vermutlich über seine anstehende Predigt.  

Obwohl noch lange nicht feststand, wer denn zum Sieger erkoren wird, verspürten auch die Dürren den Frühling, wie in nicht ganz jugendfreien Szenen beobachtet werden konnte. Wild sind die wilden Gestalten natürlich vor allem auf die Braut, um welche nicht mit den zartesten Methoden geworben wird. Aber auch den Zuschauern bringen die Dämonen das Fürchten bei, besonders wenn der „Stechpälmler“ durch die dicht zusammenstehende Menge rennt oder der „Schnäggehüsler“ sich mit einer „Söiblootere“ den nötigen Respekt verschafft. Grosser Beliebtheit erfreute sich hingegen der „Hüehnermaa“ durch das verteilen von Eiern wie auch der „Jasschärtler“ mit seinen akrobatischen Vorführungen.     

Unter dem wilden Getue musste die Lockenpracht des „Hobelspänlers“ am meisten leiden, am Schluss lag sie mehrheitlich auf der Strasse. Aber auch das Brautkleid überlebte das Spektakel nicht unbeschadet, wen wundert’s, das Décolleté war total zerrissen und die moralischen Hochwohllöblichen waren vergeblich bemüht, der Braut keine Blösse zu geben.  

Die Eierpredigt
Heftig und deftig dann die Eierpredigt, welche vom Pfarrer, alias Andreas Bossart gehalten wurde. Von der hohen Kanzel kanzelte er lautstark ohne Mikrofon auf das Volk hinunter und hielt ihm in Prosaform, fast eine Stunde lang, seine Sünden vor. Gar manches wusste er amüsant zu erzählen über die Geschehnisse der letzten zwei Jahre. Gekonnt verknüpfte er globale Themen mit Dorfgeschichten und rief bei den Einheimischen gar manches wieder in Erinnerung, von denen die Betroffenen vermutlich gehofft hatten, dass es längst vergessen war. Aber wie sagte doch der Pfarrer eingangs seiner Predigt: „Für die wo drin vorchöme, nähmeds ned z’schwer, wenn me i der Eierpredigt chunt, so eschs en Ehr.“ Wenn dem dann wirklich so ist, so wurde der Gemeinderat in der Predigt sehr geehrt, desgleichen auch die Bözener. Die Geschichten wurden so ausführlich geschildert, dass sie selbst für Auswärtige unterhaltend waren. Nach der Predigt dislozierte die Gemeinschaft in die Turnhalle zum obligaten und abschliessenden „Eiertätsch“.



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